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Twitter-Spam: Die Britneys sind da – oder: währet den Anfängen


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Es ist ein interessanter Effekt, der bei nicht wenigen Start-ups zu beobachten ist:

In dem Augenblick, in welchem eine gute Idee zu einem Vermögen führt – und sei in Form von Buchgeld im Rahmen der letzten Bewertungsrunde –, welches nach menschlichem Ermessen weder verfressen noch versoffen, sondern nur noch verdummt werden kann, fokussiert sich das Management darauf, noch mehr Geld anzuhäufen und das Produkt tritt dahinter zurück.

Diesen Effekt können wir derzeit ansatzweise bei Twitter beobachten. Vor kurzem erst eine Finanzierungsrunde im – kolportieren – dreistelligen Millionen US-$-Bereich, nachdem bereits früher im Jahr substantiell Geld eingefahren wurde. Dann die beiden Deals mit Google und Bing. Und als nächstes vielleicht ein Börsengang?

Währenddessen beginnt sich die Community zunehmend mit Spam herumzuärgern:

Twitterspam

Was ich in diesem Fall nicht verstehe, ist der Umstand, daß das Problem nicht umgehend und massiv angegangen wird – an mangelnden Ressourcen kann es nicht liegen. In Sachen Spam gilt stets: nicht kleckern, sondern klotzen. Und dies von Beginn an und nach Möglichkeit bevor Spam überhaupt sichtbar wird.

Im Moment befinden wir uns erst in der Testphase der Spammer: Lohnt der Aufwand? Wenn jetzt nicht dagegen getan wird, dann wird es zu einem späteren Zeitpunkt immer schwieriger werden. Und ggf. verliert man den Kampf dann auch; myspace liefert ja durchaus brauchbare Anwendungsfälle.

Dabei wäre eine frühzeitige Bekämpfung der Spam-Seuche im Fall Twitter doch nicht so kompliziert:

(1) Die Spammer nutzen die API, anderes wäre dies nicht zu bewältigen. Werfen wir einen Blick auf newsletter17292, siehe unten. Hier wurden alle 258 Tweets in zwei Batches über die API hochgeladen (zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Posts war der User noch verfügbar).

Sicherlich ist es kein Zufall, daß die Uploads zu beschäftigungsarmen Zeiten (nach PST) erfolgten. Leider läßt sich nicht abschätzen, wie es um die Halbwertszeit eines derartigen Spam-Accounts bestellt ist. Einige Stunden nach der Spam-Meldung war besagtes Profil gelöscht.

(2) Es wundert mich, daß es scheinbar keine Mechanismen gibt, die Spammer on the fly identifieren. Typischerweise haben die Britneys weder Follower, noch folgen sie anderen Twitter-Usern, geschweige denn sind sie irgendwo gelistet. Sie laden dann aber in kurzen Zeiträumen gleich Hunderte von Tweets in der Form von @-Replies hoch. Dies ist statistisch signifikant und sollte automatisch die Deaktivierung des Accounts anstoßen:

Twitterspam

Im Moment ist die Anti-Spam-Hürde der Applikation so niedrig, daß die Texte der Spam-Tweets noch nicht einmal umfangreicher sprachlich variiert werden müssen. Selbst Keywords, die normalerweise sofort geblockt werden, laufen problemlos durch.

(3) Crowdsourcing zu monetarisieren, ist ein clevere Idee. Und es ist unbestritten, daß der einfache Zugang zur Twitter-API maßgeblich zur Entstehung des Twitterversums – und damit in Folge zur Bewertung des Unternehmens – beigetragen hat. O-Ton Fred Wilson:

The success of Twitter… from Social Media on Vimeo.

Auch andere Engagements von Union Square Ventures haben deswegen offene APIs, z.B. Foursquare. Es ist m.E. jedoch zuviel verlangt, daß die Community:

a) Den Content produziert,
b) User in sinnvolle Liste eingruppiert und…
c) …gleichzeitig den Spam meldet.

Wenn das Twitterversum weiterhin wachsen und gedeihen soll, dann möge man seitens Twitter in die entsprechende Infrastruktur – Technik und Menschen – investieren, um Spam bereits bei der Entstehung zu verhindern. Es spräche m.E. auch nichts dagegen, denjenigen Community-Mitgliedern, die bereits länger dabei und überproportional engagiert sind, mehr Rechte einzuräumen: Britneys kann (und sollte) man umgehend offline nehmen.

Soziale Netzwerke sind nicht gegen Spam gefeit; Twitter gehört deswegen auch nicht an den Pranger. Twitter macht es mit den @-Replies jedoch sehr einfach, Spam mit geringem Aufwand zu verteilen. Diesem Umstand sollte man in San Francisco ein großes Maß an Aufmerksamkeit widmen. Das Zeitfenster für derartige Maßnahmen beginnt sich zu schließen. Und es wäre doch schade, wenn man trotz aller zur Verfügung stehender Mittel untätig bliebe, oder? Denn in diesem Fall gilt:

There is no community interesting enough that you just couldn’t walk away from it…

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2 Kommentare

  1. Beim Wort Börsengang höre ich schon wieder das unvermeidbare “Plopp” vom letzten Mal durch den Cyberspace knallen.
    Dieser ganze Hype ist doch schon wieder total irrsinnig, man sollte doch meinen, dass die “Überlebenden” des dot com crashes, die jetzt wieder einigermassen sicher im Sattel sind aufhören Firmen wie Twitter wieder in den Himmel zu loben.

    Was den Spam angeht denke ich das Twitter im Moment von der Selbstregulierung der Community ausgeht. In kleinerem Umfang wird das sicher auch noch funktionieren aber ich gebe dir recht, dass sobald Twitter als neue Spam Schleuder entdeckt wird das ganze den Bach runtergehen kann, vor allem mit den Plänen Werbung einzublenden.

    Wird sicher interessant in den nächsten Monaten, mal sehen ob in einem Jahr noch jemand von Twitter spricht :)

  2. “mal sehen ob in einem Jahr noch jemand von Twitter spricht” – das ist der Punkt, Kirsten.

    Ich glaube, Microblogging hat sich durchgesetzt. Dies heißt aber nicht zwangsläufig, daß es Twitter sein muß. Mich ärgert, daß die Jungs in Liquidität schwimmen, Google & Bing nicht wenig in die Kasse spülen werden und die Kosten – gemessen am vorhandenen Geld – eher niedrig sind. Und trotzdem wird über Spam nicht richtig nachgedacht. Ich will keine Britneys mehr sehen… Wenn ich erst auf den Spam-Button drücken muß, dann liegt das Kind schon im Brunnen.

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