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„Tatort Urheberrecht“ – eine Podiumsdiskussion


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Im März platzte 51 Tatort-Autoren der Kragen: In einem offenen Brief beschwerten sich die Kulturschaffenden, weil „Grüne, Piraten und Netzgemeinde” das „viel zu komplizierte Urheberrecht“ modernisieren bzw. ganz abschaffen wollten. Sie warfen den beiden Parteien vor, die Interessen der Nutzer weit über die der Urheber und Künstlerinnen stellen zu wollen.

Der Livemitschnitt der Veranstaltung zum Nachgucken



Fotos der Veranstaltung gibt es von dyfustifications auf flickr

Nicht erst seit diesem Brief tobt ein regelrechter Krieg um das Urheberrecht im Internet. Die Schlachtfelder heißen YouTube und GEMA, illegales Filesharing, Verwerter- und Abmahnindustrie sowie Urhebervertragsrecht. Die Frontlinie verläuft immer entlang der Frage, wie Künstlerinnen und Künstler von ihren Liedern, Bildern und Texten leben können und wer was damit im Internet anstellen darf — und was nicht.

Die Veranstaltung in Tweetlänge:

Was? Podiumsdiskussion „Tatort Urheberrecht“
Wer?
Konstantin von Notz, MdB, netzpolitischer Sprecher der grünen Bundestagsfraktion
Bruno Kramm, Urheberrechtsbeauftragter der Piratenpartei Deutschland
Jochen Greve, Drebuch-Autor, u.a. für den #Tatort
Reinher Karl, Verband unabhängiger Musikunternehmen

Wo? i-camp – Neues Theater München in der Entenbachstraße und im Livestream
Wann? Montag (!), 4. Juni 2012, Einlass ab 19 Uhr, Beginn der Diskussion 20 Uhr

Gilt zum Beispiel das Recht auf Privatkopie auch im Internet? Wie lange soll ein Urheber die Verfügungsgewalt an seinen Werken behalten und darf er sämtliche Verwertungsrechte für „alle Zeit und auch für unbekannte Nutzungsarten” an Verlage und Produzenten verkaufen? Oder wird damit nicht die ohnehin prekäre Beschäftigungssituation von Urhebern von einer „Verwertungsindustrie” schamlos ausgenutzt? Darf die GEMA Lieder „in Deinem Land nicht verfügbar” machen? Und wann soll der urheberrechtliche Schutz an Musik und Filmen enden?

In ihrem offenen Brief beschweren sich die Tatort-Autoren, dass die Vorschläge von Grünen oder Piraten zu einer Reform des Urheberrechts gegen Menschenrechte verstoße und dass man zwar über, aber nicht mit den Urhebern sprechen würde.

Dieses „Miteinander-Schweigen“ möchte Twittwoch e.V. mit einer Podiumsdiskussion am 4. Juni 2012 um 20 Uhr im Münchner i-camp beenden.

Dr. Konstantin von Notz
netzplitischer Sprecher der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen
Er sagt: »Das bestehende Urheberrechtssystem lässt alle unzufrieden zurück. Eine Reform ist überfällig.Wir sind es, die den Kreativen einen angemessenen finanziellen Ausgleich für die Nutzung ihrer Inhalte ermöglichen wollen. Gleichzeitig sagen wir deutlich: Massen-Abmahnungen und Kriminalisierung von Nutzern, die Sperrung von Internetanschlüssen und weitere Bürgerrechtseinschränkungen sind mit uns nicht zu machen.«

Bruno Kramm
Urheberrechtsbeauftragter der Piratenpartei Deutschland
Er sagt: »Der Fokus muß von der kurzfristigen, einseitigen und profitorientierten Werkförderung hin zur nachhaltigen Förderung von schöpferischer Leistung verschoben werden. Im gleichen Masse wie Handwerks-, Industrie- und Handelskammern ihren Mitgliedern Seminare und Massnahmen zur wirtschaftlichen Sicherung anbieten, müssen Urheber Hilfe und Unterstützung für die kleinteilige und direkte Vermarktung erhalten. «

Jochen Greve
Drehbuch-Autor, u.a. für den Tatort
Er sagt: »Das Leidensmaß ist voll. Der Begriff des geistigen Eigentums erodiert und soll jetzt Immaterialgüterrecht heißen. Künstler werden herabgewürdigt und enteignet, indem man Begriffe umwidmet. Was am meisten im Netz hochgeladen wird, sind Produkte einer extrem hoch entwickelten Kultur, in der hoch spezialisierte Leute arbeiten, die kaum noch von ihrer Kunst leben können. Wir wollen in die Diskussion des Urheberrechts miteinbezogen werden, denn die Netzgemeinde ist nicht die ganze Welt.«

Reinher Karl
Justitiar des Verband unabhängiger Musikunternehmen VUT e.V. und Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht. Er sagt: »Rechte müssen auch im Internet durchsetzbar sein, sonst ist auch ein modernes Urheberrecht nur eine leere Hülle. Dringend notwendig ist daher insbesondere eine Überarbeitung des Telemedien- und des Datenschutzrechts, damit sich bestehende Monopole im Internet nicht weiter verfestigen und die Regeln nach ihren Geschäftsmodellen gestalten. Aus Sicht eines Kreativen ist es nämlich egal, ob er seine Rechte im Internet 20, 50 oder 70 Jahre nicht durchsetzen kann.«

Moderation:
Thomas Pfeiffer
Blogger, Internetaktivist und Vorstand im Twittwoch e.V.


Die Veranstaltung findet mit freundlicher Unterstützung der Süddeutschen Zeitung statt.

Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Sie können aber am Facebook-Event »Tatort Urheberrecht« teilnehmen oder auch bei der Xing-Veranstaltung. So können wir besser planen und Sie laden damit gleich noch Ihre Freunde und Freundinnen mit ein. :)



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12 Kommentare

  1. Urheberrechte sind wichtig, ganz unbestritten, nur wird hier teils mit zweierlei Maß gemessen, gerade, wenn wir das Internet betrachten. Ich will gerne ein Beispiel geben.

    Beispiel 1:

    Ich betreibe eine Website und zitiere eine Person-X, oder ich zeige dort ein Bild, bei welchem ich nicht die Rechte inne habe und bei dem mir nicht eine schriftliche Einverständniserklärung vorliegt, ich dürfe den Text, oder das Bild nutzen. Ich kennzeichne den Text und das Bild mit genauen Quellenangaben.

    Beispiel 2:

    Ich schreibe eine Doktorarbeit, oder Diplomarbeit, zitiere Texte von Person-X und verwende Bilder, bei welchem ich nicht die Rechte inne habe und bei dem mir nicht eine schriftliche Einverständniserklärung vorliegt, ich dürfe den Text, oder das Bild nutzen. Ich kennzeichne den Text und das Bild mit genauen Quellenangaben.

    Für Beispiel 1 werde ich abgemahnt und muss eine hohe Strafe zahlen, für Beispiel 2 bekomme ich den Doktortitel und bessere Berufsaussichten. In beiden Fällen habe ich etwas veröffentlicht….

    Nun handhaben einige Unis dies recht unterschiedlich und weisen auch unterschiedlich auf das Urheberrecht hin, nur, was war vor 5, vor 10, vor 15 Jahren, usw….? Da hat der Doktorvater, oder Unis, oder usw. nie nach einer Einverständniserklärung gefragt, weils nicht bewusst und gefordert war. Müssen wir diesen Menschen den Titel aberkennen? Müssen wir sie nicht abmahnen?

    Messen wir hier nicht mit zweierlei Maß?

    Nehmt Herrn von und zu Guttenberg. Hat er für die genutzten Zitate eine schriftliche Einverständniserklärung vom Verlag, oder vom Urheber gehabt?

    Wir haben in unserem Forum ( recht klein ) gerade dazu eine intensive Diskussion und sind uns nicht einig, was hier welches Recht darstellt. Wie verhält man sich heute?

    Muss der Gedanke des geistigen Eigentums und der daraus resultierenden Rechteverwertung nicht gänzlich überdenkt werden?

    Denken wir an die Anfänge der Menschheit und deren Entwicklung zurück. War da nichtz der Tausch die Sache der Wahl? as, wenn das digitale Zeitalter einfach nur bedeutet, dass man back to the roots gelangt? Was, wenn wir uns einfach darauf einigen, dass das Urheberrecht nur im geschäftlichen Sinne umzusetzen ist und ein gerüttet Maß an “Kopie”, immer mit der Angabe der Quelle, legalisiert wird? Warum darf ich für meine Kinder keine Kopie der CD der drei Fragezeichen anfertigen, allein, weil die Kinder mit der gebrannten CD umgehen können, wie sie wollen, sprich, sie auf den Boden werfen, sie zerkratzen usw.? Warum?

    LG,

    Rolf Wölker

  2. Schade, dass Tatortautor und(!) Mitglied der Piratenpartei nicht auf dem Podium sitzt. Das würde die Diskussion sicher anregen.

  3. Wenn ich die SZ wäre und für son Stream gezahlt hätte, würde ich euch auf den Wohnzimmerteppich kacken.

  4. @x300 Danke für Ihren qualifizierten Kommentar :)

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